Aktiv trotz Depression
Aktiv trotz Depression

Wo sind all die schlechten Erinnerungen bevor sie uns Qualen bereiten?

Alles was an Negativem vergessen scheint wurde in unser Unterbewusstsein verschoben,

oder zum Beispiel bei traumatischen Erfahrungen, dissoziiert (Trennung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten) und in unterschiedlichen Gehirnbereichen gespeichert. Selten bleiben diese Altlasten, wie Verdrängtes und Vergessenes für immer dort. Doch vergehen meist  viele Jahre, sogar mehrere Jahrzehnte bevor unsere Psyche durch dieses Gift so sehr geschädigt ist, dass schwere Gemütserkrankungen entstehen bezw. entstanden sind.

Durch eine psychotherapheutische Behandlung kann der Schaden weitgehend oder ganz behoben werden. Die Mitarbeit des Patienten ist dabei wichtig!

Trotz einer guten Theraphie blieben bei mir einige der ältesten Erinnerungen fragmentiert, verschüttet und kamen nun nach ca. 50 Jahren in mein Gedächtnis zurück.

Ein komplexer Vorgang hat begonnen. Wer weiß was in der nächsten Zeit, noch aus den Kammern des Vergessens auftaucht. Ich werde auf alles vorbereitet sein!

 

 

Wie so oft denke ich an meine Kindheit zurück.

Doch heute ist es anders!

Ich sehe mich auf dem Bett liegen, Bauch nach unten, der Oberkörper nackt; der Vater ist eben von der Arbeit gekommen. Meine Mutter hat ihm bereits auf dem Heimweg (sie holte ihn täglich vom Bahnhof in E... ab) den Kopf vollgejammert, was ich böses Kind wieder alles verbrochen hätte! Wütend knallt er seine Tasche auf den Boden, nimmt den schweren Lederriemen mit den eisernen Karabienerhaken an beiden Enden und prügelt hemmungslos auf mich ein! Zusätzlich lässt er die übelsten Schimpfwörter ab, diese erspare ich dem werten Leser!.

Tag für Tag das gleiche Prozedere!

Meine Mutter höre ich schreien: „hör doch auf Mann..... Du schlägst ihn sonst noch tot“! Tot? Das wäre doch wohl eine Erlösung. Ich gebe keinen Laut von mir obwohl dieTränen wie Bäche aus meinen Augen rinnen und fühle noch jetzt die schmerzhaften Schläge; noch immer werden mir die Augen feucht, wenn ich dies hier niederschrei -be. Mit der Hoffnung, all die grausamen Erinnerungen zu bearbei-ten und endgültig adakta zu legen.

Nach den Prügeln schmierte meine Mutter die blutigen Striemen mit Gänseschmalz ein..... Nein! Nicht für mich hat sie das getan! Son-dern für „die Leute“ wenn die das sehen würden.... ja sie hat sich immer sehr nach den Leuten gerichtet. Mir selbst ist das sowas von egal, was die Leute reden....Eine neue Szene taucht auf: Ich sitze an den Schulaufgaben. Das Einmaleins - bis Hundert habe ich schon recht gut drauf, dennoch passiert hin und wieder mal ein Fehler. Die verflixte 8x7 da habe ich einen Hänger. Mutter taucht hinter mir auf und schon klatscht sie mir ein nasses Geschirtuch um die Ohren; acht mal sieben ist sechsundfünfzig, wann lernst Du das!!!! Kein Wunder, ich muss am Küchentisch lernen, während Mutter eben einem Huhn den Kopf abgehackt hat. In der Küche steht der alte Wäschetopf auf dem Herd und das tote Tier wird mit kochendem Wasser gebrüht damit die Federn gerupft werden können. In der Küche stinkt es bestialisch; eben deshalb esse ich seit vielen Jahren kein Geflügel.Wenn ich nur ein solch gerupftes Tier in der Gefriertruhe beim Discounter sehe, riche ich diesen Gestank.

Alles was fliegt kommt nicht auf meinen Tisch, aus fertig!

 

Was allerdings noch schlimmer war als die Prügel, war dieses ewige: „tu dies nicht, lass das und so weiter“!

Immerzu hatte ich das Gefühl, dass sie mir nichts aber auch garnichts zutraute. Wie ich schon an aderer Stelle schrieb, hatte ich in der Schule deswegen kaum Freunde und ich wurde auch deswegen schikaniert. Am schlimmsten wurde es als wir in einen anderen Ort umzogen. Es war die HÖLLE!

 

Neue Erinnerungen erwachen, sie überfluten mich regelrecht!

Nach den Prügeln habe ich oft unbewusst mit einer imaginären Freundin - Lisa geredet, habe ihr meinen Jammer erzählt, bis ich total erschöpft endlich einschlief.

 

Ach ja, während ich soeben versuche den alten Mist aus meinem Gedächtnis in die Hölle zu schicken, kommt mir wieder passend Weihnachten in den Sinn.

Passend - nicht weil irgendwann - dieses Fest? gefeiert wird....

 

Die Weihnachten meiner Kindheit habe ich wirklich in schlechtester Erinnerung. Jahr für Jahr musste am so genannten heiligen Abend eine Gans auf dem Tisch sein. War das jenes arme Tier, das monatelang in der Kammer unter der Treppe eigesperrt war?

Das Fleisch möglicherweise voll Adrenalin, denn jeden Tag hände-voll Maiskörner in den Schlund gestopft zu bekommen, ist sicher nicht gerade ein erfreuliches Erlebnis. Und am 23. Dezember dann durch das Beil zu sterben........ Auch Tiere haben Todesangst!

Jedenfalls lag am 24. 12. Jahr für Jahr solch ein totes Tier auf dem Tablett und immer hatte ich total langfasriges Fleisch auf dem Teller. Stundenlang kaute ich auf dem trockenen, zähen Zeug herum. Das ging eifach nicht runter. Was macht man in der Not? Aufgepasst, dass keiner herschaut, auf die Hand und.... ab damit unters Stuhl-kissen!

Am Morgen darauf bekam ich dann meinen Weihnachtssegen in Form von Geschrei und Prügeln. Ach wie ich diese Feiertage heute noch liebe!!

Abends dann im Bett habe ich es meiner kleinen Lisa erzählt, die mir inzwischen eine gute Freundin geworden war.

Darauf ging es mir wieder besser und ich konnte zufrieden einschlafen! Die Jahre vergingen langsam, trotz aller Schikanen ging ich lieber zur Schule; da wurde ich weniger geprügelt und weniger angebrüllt.

Über meine verpfuschte Lehrzeit habe ich auf der Seite

Hurra ich lebe noch ausgiebig geschrieben.

Das Martyrium dem ich in dieser Zeit ausgesetzt war trug dazu bei, dass ich unbewusst anfing eine zweite Persönlichkeit, namens Lisa zu kreieren. Lisa war stark, sie hatte keine Probleme mit Schikanen, sie war voller Wut, wollte diese Individuen die mich quälten am liebsten vernichten.Sie war ein Kind der überschäumenden Wut meiner Eltern, die sie mir vererbten! Obwohl „Lisa“ mich sehr sanft behandelte!

Nachdem ich geheiratet hatte geriet Lisa allmählich in Vergessen-heit. Sie zog sich zurück, schwieg und hat mir viele Jahre später doch das Leben gerettet; in jener Nacht als ich mein graues,

trübes Leben beenden wollte.

Seitdem höre ich auf Lena - die symbolisch für meine im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der Kindheit stehen. Einen ganzen Artikel über das innere Kind kann man auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind lesen:

 

 

Bitte wenden Sie sich künftig an:

Selbsthilfe- und Patientenberatung Rhein-Neckar gGmbH
Alte Eppelheimer Straße 38
69115 Heidelberg

Telefon: +49 (0) 6221 18 42 90
Telefax: +49 (0) 6221 16 13 31
E-mail:mailto:info@selbsthilfe-heidelberg.de

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Aktiv trotz Depression 2018