Aktiv trotz Depression
Aktiv trotz Depression

Psychische Traumen können entstehen durch Naturkatastrophen, Gewalt, Kriegserlebnisse, Unfälle, schwere Krankheiten, plötzliche Verlusterlebnisse, emotionale Vernachlässigungen, gravierende medizinische Eingriffe, schwierige Geburten, Adoption und durch starke Stresserlebnisse schon während der Entwicklungszeit im Mutterleib.

 

Geerbte Traumen sind die schwerste Last, denn Traumaerfahrungen der Eltern haben einen gravierenden Einfluss auf unsere psychische, körperliche und geistige Entwicklung. In der Regel haben wir keine Ahnung von den Traumen der Eltern, die sie an uns weitergaben. Wir, die Nachkommen leiden unter den ererbten Belastungen.

Sie werden von uns als lebensbedrohlich empfunden und unser Überlebenswille ist so stark, das der Schmerz vom fühlenden Bewusstsein abgespalten wird.

 

Die Spaltung bleibt bestehen, auch wenn die Gefahr schon längst vorüber ist. Durch diese Spaltung werden unsere Wahrnehmungs und Verhaltensweisen eingeschränkt, die psychischen Kraftressourcen aufgebraucht und es entstehen körperliche und psychische Symptome, u.a. körperliche Verspannung, Herzprobleme, Bluthochdruck, Unruhe, Schlaflosigkeit, Erschöpfungszustände, schnelle Ermüdung, um nur einige zu nennen.

 

Zudem können sich nicht intergrierte Traumata auf alle unsere Beziehungen auswirken: Liebesbeziehung, Eltern-Kind Beziehungen, Freundschaften und Arbeitsbeziehungen.

 

Das Trauma integrieren

Ein nicht integriertes Trauma bleibt aufrecht erhalten. Dadurch entstehen immer neue psychische Spaltungen, weil wir es "gelernt" haben, in schwierigen Situation zu "spalten" und zu dissoziieren (Trennung von Wahrnehmungs und Gedächtnisinhalten).

Ein Notfallmechanismus, auf den wir keinen Einfluss haben und der unser Überleben sichert. Als pränatales Kind traumatisierter Eltern, musste ich schon Teile meiner Psyche abspalten!

Auch die Eltern sicherten ihr Überleben durch Abspaltung.

 

Psychische Spaltungen können in der Regel nicht ohne therapeutische Hilfe in das Ich eingebunden werden, im allgemeinen wird das durch den Überlebenswillen verhindert, damit Not, Verzweilfung und Todesanganst unser Ich nicht überbelasten.

 

Nachdem sich mir belastende traumatische Erinnerungen in Form von Empfindungen, Albträumen und Flashbacks aufdrängten, startete ich den Versuch meine ererbten Traumen in mein Ich zu integrieren.

Zuvor schon bemerkte ich, eine erhöhte Resilenz (Wiederstandsfähigkeit) im Umgang mit meinen psychischen Lasten!

So begann ich die ererbten Abspaltungen meiner Vorfahren zu integrieren, was am Ende auch gelungen ist.

Indem ich mich immer wieder mit dem Thema befasste und darüber schrieb bemerkte ich während dem korrigieren des Geschriebenen, ein Nachlassen der psychischen Heftigkeit. Inzwischen bin ich soweit, dass all die gravierenden Erinnerungen zwar nicht vergessen sind, aber sie sind in mein Ich integriert und quälen nicht mehr!

Einfach ausgedrückt: "sie lassen mich kalt"!

 

 

Gestützt wurde ich durch Studien aus denen hervorgeht, dass direkte Nachkommen von Kriegs-Überlebenden sowohl besonders verletzbar als auch besonders resilient zu sein scheinen, also widersprüchliche Kräfte in sich tragen.

 

Nachfolgend Auszüge aus:

Die Konzeptualisierung

der transgenerationellen Weitergabe von Traumata

von: William Helmreich; Natan P. F. Kellermann.

Während das von den Eltern ererbte - weitergegebene Trauma stark belasten kann, vermag allein die Tatsache, dass indirekt derart tragisches Erleben, die Fähigkeiten zur flexiblen Bewältigung als auch besondere Überlebensfähigkeiten gibt, die bei anderen Menschen in der Regel nur rudimentär (unvollkommen) entwickelt sind.

William Helmreich skizziert einige solcher allgemeiner Eigenschaften bzw. Fähigkeiten, die es z. B. den Holocaust oder Weltkriegs - Überlebenden trotz des erlittenen Traumas ermöglicht hätten, nach dem Krieg ein positives und produktives Leben zu führen:
"die Fähigkeit sich rasch an eine neue Umgebung anzupassen, selbstbehauptend und initiativfreudig zu sein, stets das Unmögliche für möglich halten, eine positive, zukunftsorientierte Lebenshaltung an den Tag zu legen, die persönliche Intelligenz und berufliche Qualifikationen voll ausschöpfen, die Erkenntnis zu verinnerlichen, dass man überlebt hat. Sinn und Logik im Leben zu sehen und neuen Mut zu schöpfen"

Wenn Überlebende einen Großteil dieser Resilienzfähigkeiten aufweisen, ist anzunehmen, dass sie teilweise auch an ihre Nachkommen weitergegeben wurden. Deshalb und aufgrund ihrer gedanklichen Übereinstimmung zur Tragödie ihrer Eltern dürften Charaktereigenschaften wie Mitgefühl, Empathie und ein tiefes Verständnis für menschliches Leid bei den unmittelbaren Nachkommen von Weltkriegstraumatisierten besonders entwickelt sein.

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