Aktiv trotz Depression
Aktiv trotz Depression

Die Wissenschaft scheint sich noch nicht einig, wie traumatische Erfahrungen auf ein Kind übertragen werden. Dass es aber geschieht, steht fest.

 

18. 02. 2015
Wie auch viele andere Menschen habe ich traumatische Erfahrungen von meinen Eltern geerbt.
Die Lebensängste werden manchmal von einer Generation
auf die nächste weitergereicht und die Folge sind psychische Erkrankungen.

So leiden die Kinder von Menschen, die den zweiten oder gar noch den ersten Weltkrieg erlebt haben, heute vermehrt unter Gemütskrankheiten wie Depressionen, bis hin zum Posttraumatischen Belastungssyndrom.
Die Suizidrate ist erhöht; manche Erkrankungen wie bipolare Störungen, werden häufig über Generationen in Familien auftreten.

Zuviel möchte ich nicht preisgeben von meiner Problematik - nur eine kleine Dokumentation dessen, was unbewusst über Jahrzehnte in mir verborgen war. Wie ich verfahre um meine seelische Gesundheit Schritt für Schritt wieder herzustellen, soll alleine meine Sache bleiben, denn möglicherweise tritt die positive Wirkung nur bei mir selbst ein und eine Anleitung zur Selbstheilung kann und will ich nicht erstellen!

Eigentlich habe ich nur die Worte eines ehemaligen Therapheuten ernst genommen der sagte:
"Der beste Therapheut ist man selbst!"

Nach diesem Motto handle ich, vorsichtig und als hätte ich alle Zeit der Welt, gehe ich ans Werk.
Jeder der sich stark genug fühlt, kann seinen eigenen Weg zur Heilung seines Innersten finden!

Seit einigen Tagen fühle ich eine größer werdende Unruhe und immer wieder sehe ich blasse Bilder von Menschen, die ich nur schwer zuordnen kann. Eine Person könnte meine Mutter als Kind sein, die zweite Person meine Großmutter mütterlicherseits.

Ein Mann mit einem Käppi scheint nicht zufrieden zu sein denn er schreit und gestikuliert wild, aber nichts ist zu verstehen. Irgendwann einmal erzählte meine Mutter, dass sie in einem großen Haushalt für viele Personen gekocht hätte, allerdings habe man sie schlecht behandelt.

19. 02. 2015
Die Geister die ich rief, werd´ ich sie wieder los? (frei nach Goethe)
Nein, so wie dem Zauberlehrling in Goethes Ballade ging es mir nicht, obwohl es sehr heftig wurde, mit den Erinnerungen die gar nicht meine waren.
Besser sollte ich sagen: "mit den von meinen Eltern ererbten Traumen !"

Es waren böse Zeiten für die Eltern im Alter von eben mal 5 Jahren, als 1914 der erste Weltkrieg begann. Bedrückende Bilder von Armut, Hunger und Entbehrungen sehe ich.
Meine Oma mütterlicherseits starb als meine Mutter 10 Jahre alt war. Ob die Stiefmutter wirklich so böse war, wie meine Mutter immer erzählte? Warum hat meine Mutter mich dann so schrecklich behandelt, sie musste doch wissen wie man sich als andauernd ungeliebtes und misshandetes Kind fühlt! Wahrscheinlich war ihre Lebensüberzeung nach dem Motto:

"Wie die alten sungen, so zwitschern auch die Jungen" (J. W. von Göthe) Und warum hat sie meinem Vater keinen Einhalt geboten und die täglichen, über Jahre andauernden Prügelattacken, mir gegenüber geduldet? Einerseits überbehütet, andererseits fast zu Tode geprügelt.

 

Dann aber mit voller Wucht der zweite Weltkrieg.
Bombennächte, Feuer überall - furchterregender Lärm als ein Blindgänger durch die Schlafzimmerdecke bricht, durch das leere Bett meines Vaters und weiter nach unten
ins nächste Stockwerk donnert.
Ich fühle schreckliche Angst, die nicht meine Angst ist; in Erwartung einer Explosion, die aber ausbleibt.

Nein, es wundert mich wirklich nicht, dass meine Eltern nach Kriegsende unter ihren Traumen sehr zu leiden hatten; doch frage ich mich: "Woher nahmen sie sich Jahre später das Recht" meine kindliche Seele und meinen Körper zu zerschlagen, mich zu demütigen und zu misshandeln? Mir das Gefühl der Wertlosigkeit zu vermitteln? Den Drang hatten mich noch zu bevormunden, zu gängeln und auszubremsen, als ich schon lange erwachsen war? Dass sie meine Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten haben?

Mag Jemand sagen, dass sie nicht anders konnten. Das kann und will ich aber nicht gelten lassen, denn ich selbst habe die Generationen-übergreifende Gewaltspirale abbrechen können. Ich wollte sie nicht weiterführen! Trotz schwerer ererbter Traumen und einer grausamen Kindheit, bin ich gegen die schädliche Strömung geschwommen.

"Frieden muss erst in mir, in uns selbst sein, dann wird es auf der ganzen Welt Frieden geben!"

Mein Sohn wuchs ohne körperliche Züchtigungen auf, und ich könnte es mir niemals verzeihen, hätte ich jemals ein Kind geschlagen oder angebrüllt!

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

20. 02. 2015 Soeben wird mein Tageskind von ihrer Mutter abgeholt. Heute bat mich das Kind mit ihr zum Grab ihres Großvaters zu gehen. Sie kennt den Großvater nicht, er starb durch einen Verkehrsunfall, Jahre bevor sie selbst geboren wurde.

Dennoch zieht es sie hin und wieder zum Grab.

Vererbte Traumata??

Intuitiv macht sie das Richtige, denn ihre Trauer lebt sie aus und lässt sie dann am Grab zurück! Sie ist ein glückliches Kind. Als sie abgeholt wurde sagte sie zu mir: "Tschüß, ich hab dich lieb!"

Balsam für meine misshandelte Seele.

 


 

 

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Aktiv trotz Depression 2018