Aktiv trotz Depression
Aktiv trotz Depression

Achtung!

Dieser Text könnte triggern!

 

Prolog

 

Wie es mir möglich wurde alten und  tiefen Hass abzulegen, kann ich nicht erklären.

Möglicherweise blieb er im Abgrund der Depression zurück. Es ist nicht so, dass ich die Menschen die meine Kindheit und Jugendzeit zur Hölle machten, noch lieben könnte.

Aber ich kann sie auch nicht mehr hassen. Eine gewisse Verachtung gegenüber meinen Eltern wird allerdings immer bleiben; durch sie bin ich am Leben - sonst nichts!

Mein Lehrmeister, als auch die Arbeitskollegen  haben in meiner Lehrzeit mehr Schlechtes als Gutes für mich getan.

Alles was ich in dieser Zeit für meinen Beruf lernte war durch Eigeninitiative zustande gekommen.

 

Kindheit!

Tu das nicht, du könntest dich verletzen, NEIN! du darfst nicht auf der Straße spielen, es könnte etwas passieren.

Einige werden vielleicht solche Sätze noch gut in Erinnerung haben.

Obwohl mehr als fünfzig Lenze seit dieser Zeit ins Land gezogen sind und die alten unguten Erinnerungen immer  wieder mal hochkochten, konnte ich mich von altem Hass auf meine Peiniger komplett lösen.

 

Psychischer Missbrauch

Meine Mutter konnte nicht loslassen, ich wurde auf der einen Seite extrem überbehütet, auf der anderen Seite verabreichte sie laufend Ohrfeigen, was mir einen unheilbaren Tinnitus bescherte.

Und ihre Worte waren mitunter wie Gift.

Zum Beispiel als ich schon beinahe 21Jahre alt war: "Mach niemals einen Führerschein" wenn Dir mal was passiert...WAS wird dann aus UNS?

Hat sie sich damals tatsächlich um mich gesorgt?

Oder war es doch nur Eigenliebe?

Um auf die Auswirkungen des "Tu dies und das nicht"  zurückzukommen: in der Schule gab es deswegen fortwährend Zoff.

Meine Mitschüler begriffen schnell: "das ist der Eingesperrte, Mamas Hätschelkind"!

Was mußte ich nicht alles erleiden! Die Folgen unbedachter Worte und Behandlung können das Grauen selbst bedeuten. Ob meine Mutter jemals überlegt hat was sie mit ihrer ach so wohlgemeinten, aber doch total übertriebenen Sorge angerichtet hat.

Zuhause angekommen gab es nach der Schule Prügel wegen der Prügel die ich in der Schule bezogen hatte und abends vom heimkehrenden Vater eine kräftige Portion Nachschlag! Er prügelte nahezu täglich auf mich ein; oft hatte ich deshalb blutige Striemen auf dem Rücken!

Gesetzt den Fall Du stellst mir eine Frage und ich weiß nicht sofort die Antwort, dann merke ich wieder den Luftzug von Mutters Hand, mitunter sogar das Brennen auf der Haut das ihr Schlag verursacht hat.

Das und einige andere Plagen werden mich wohl bis an mein Lebensende begleiten.

Wenn ich die wenigen Fotos meiner Kindheit betrachte, zeigte ich nie ein trauriges Gesicht. Aber diese nach außen hin gezeigte Fröhlichkeit, war wohl eine Art von Selbstschutz!

Das wurde mir aber auch zum Verhängnis, als eine superbescheuerte Lehrerin mit seltsamen Ansichten, in meiner Gegenwart den Satz abließ: "den kann ich nicht leiden, der grinst immerzu!"

Schon so frühzeitig wurde mein kaum vorhandenes Selbstwertgefühl minimiert und

entsprechend fiel das Zeugnis der dritten Klasse aus! In der vierten Klasse zogen wir in einen anderen Ort, allerdings änderte dies nichts an den miserablen Zuständen!

Die Schulzeit ging zu Ende und die Lehrzeit begann.

 

Lehrzeit

Alles wurde noch schlimmer, es war der Beginn einer zweiten Traumenserie!

Der Lehrmeister kam nur selten auf die Baustelle.

Meine Hauptbeschäftigung bestand darin, für die Herren Oberlehrlinge den Bediensteten zu spielen.

Vesper und Getränke holen und die Dreckarbeiten erledigen.

Dass ich die Zwischenprüfung nach dem ersten Lehrjahr mit Gut bestand verdanke ich meiner eigenen Initiative, indem ich Zuhause selbst experimentierte und so die Aus, Wechsel und Kreuzschaltungen usw. frühzeitig beherrschte.

Es kam auch zu sexueller Belästigung! Aus Scham und da ich absolut keinen Menschen meines Vertrauens hatte, schwieg ich darüber.

Der Meister hatte eine lockere Hand und für Alles was nur schiefgehen konnte auf einer Baustelle, bekam ich umgehend die "Bezahlung" in Form von Ohrfeigen; obwohl die Herren Oberlehrlinge den Mist gebaut hatten, wurde immer die Schuld mir zugeschoben. Allerdings kam er den Beiden irgend wann auf die Schliche und ich musste nicht mehr so viel Schwerarbeit leisten.

Nachdem ich im zweiten Lehrjahr hin und wieder immer noch schikaniert wurde, drehte ich eines Tages vollkommen durch und ging auf meinen Peiniger mit einem Stück Streckmetall los.

Ich brachte ihm eine stark blutende Wunde am Unterarm bei, zum Glück war diese nicht tief.

Allerdings habe ich mir damit Respekt verschafft, denn er behandelte mich nachher besser.

Bald darauf verließ er die Firma und ich musste mit dem einzig verbleibenden Lehrling im dritten Jahr vorlieb nehmen, die Quälerei lebte wieder auf.

Allerdings nicht lange, denn inzwischen war bei mir das elterliche Erbe voll erblüht

(beide Eltern waren absolute Choleriker).

Bisweilen beschimpfte er mich grundlos und trat nach mir; irgendwann warf ich im Affekt ein 1,5 Kilo-Fäustel nach ihm.

Der Hammer verfehlte ihn zum Glück knapp, klatschte gegen die Wand und das Metall blieb in der Ziegelwand stecken. Mit viel Glück traf das Wurfgeschoss nicht, jedenfalls wurde ich danach respektvoll behandelt.

Trotz der miesen Lehrzeit, habe ich meine Arbeitsjahre nach der Lehre mit interessanten Arbeiten, die alle mit meinem erlernten Beruf zusammen hingen, verbracht.

Anhang

 

Wie schon erwähnt bekam ich lange Zeit die Bestrafung, die andere eigentlich verdient hätten. Somit ist der grausige Tinnitus nicht alleine durch meine Mutter verschuldet, auch meinem Lehrmeister schreibe ich eine Teilschuld zu. Welches Recht nahmen sich diese Un - Menschen eigentlich heraus, Kinder und Jugendliche auf Ohren und ins Gesicht zu schlagen?

Wie niedrig die Hemmschwelle dieser Leute doch sein musste.

Während sich mein Lehrmeister nach einer Atacke seinerseits, bei mir mit einer DM Münze entschuldigte, (immerhin reichte das Geld für den Erwerb eines PR-Heftes und einige Kleinigkeiten mehr) hörte ich von Mutter nur: „kannst froh sein, dass Du nicht noch mehr abbekommen hast. Mutterliebe?

Wenn ich nur an die Geburtstage denke; irgendwelchen Verwandten wurde aufgetischt; um mich scherte sich niemand und anstatt Gratulation, musste ich mir ein blödes:

"Bessere Dich"! anhören.

Wie ich diese dummen Sprüche heute noch hasse!

 

© weboss 2014

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