Aktiv trotz Depression
Aktiv trotz Depression

Seit Tagen kann ich nicht schlafen. Am 14. April 2004 bin ich umgezogen und ab der ersten Nacht in der neuen Wohnung ohne Schlaf. Das gibt sich schon, dachte ich, nach dem ganzen Umzugsstress. Ein seltsames Gefühl der Leere erfüllte mich nach und nach - hätte aber nicht im Traum an ein selbstinitiiertes Ableben gedacht.

Mein erster Termin beim neuen Hausarzt: "... mich plagt Schlaflosigkeit seit Tagen."

OK - Verschreibe mal eine Einschlafhilfe, dürfen Sie aber nur 10 Stück nehmen; übrigens: Ihr

Blutdruck - sehr hoch - gleich mal EKG. Soweit in Ordnung - neue Medikamente.

Seit dem 14. April koche ich à la Holland-van der Büx, im Dreitageswechsel.

Nudeln in Tomatensoße, Sauerkraut mit Kartoffeln und Fleisch, Linsen mit Würstchen.

Na ja, das Geld wird nicht lange reichen; die Sozialhilfe steht noch aus, obwohl schon im März beantragt und noch keine Reaktion des LRA Sinsheim! Anruf bei der Dienststelle:

 

"Das geht mal nicht so schnell" und überhaupt: "Von was leben sie momentan?

Ich erwähne idiotischerweise, vom Sohn Geld ausgeliehen zu haben.

Der Beamte brüllt los: "Das wird aber an den Leistungen angerechnet!"

Angst überflutet mich, ich lege auf... Wieder schlafe ich nicht ein!

Was wird, wenn das Sozialamt nicht zahlt? Die Wohnung können wir dann nicht halten!

Wie soll Strom, Telefon usw. bezahlt werden?

Ich sehe uns schon in der Barackensiedlung für Immigranten.

Angst kriecht in mir hoch, aus dem Magen und legt sich auf die Brust.

Ich kann nicht richtig atmen; könnte ich doch einschlafen!

Gedankenkreisen, wie sinnlos doch alles ist! Vom Balkon runter? Fünfter Stock, das müsste reichen; aber unten ist Rasen und außerdem spielen da Kinder!

Oder mit dem Auto? Volle Kanne gegen eine Wand? Geht nicht die Kiste wird ja morgen abgeholt. Der Wecker klingelt, Frühstück richten, was ist los? Ich kriege nichts auf die Reihe!

Post ist gekommen vom LRA Sinsheim: Zur Bearbeitung bla.. bla.. fehlen noch... wie schwer mir das Zusammensuchen der Akten fällt, ist doch alles geordnet.

Nachmittags bin ich bei besagtem Herrn: "... das nächste mal vorher Termin ausmachen!"

Na geben Sie mal her, scheint alles zu sein...  - Was?!  - Ihre Frau bekommt Rente?

Da sind wir nicht zuständig, Sie müssen beide Grundsicherung beantragen!"

 

Tage danach, mir geht es immer schlechter; möglicherweise muss ich persönlich zum Amt, um die Grundsicherung zu erhalten. Das ist in Neckargemünd - Panik kommt in mir auf!

Wie soll ich da hinkommen? Mit der Bahn? Fahrkarten gibts doch nur noch am Automaten -

wie soll ich damit klarkommen?

Ich laufe zum Bahnhof, die Sonne scheint auf den Bildschirm des Automaten, ich kann nichts erkennen, außerdem ist die Scheibe besprüht, verschmiert - ich kann das nicht!!

Ich habe plötzlich Angst vor vielen Dingen, vor dem Busfahren, irgendwohin zu gehen. Regenwetter macht mir Angst  - ich fühle mich nur noch total elend.

Tage später: eine Riesenliste der Unterlagen,  die für die Grundsicherung verlangt werden.

Unter Anderem: alle Kontoauszüge der letzten 2 Jahre. Alle!

Das macht mir erneut Angst, nicht einer darf fehlen, sonst wird der Antrag nicht bearbeitet!

Ich habe alle Auszüge, alle Unterlagen weggeschickt, wieder vergehen zwei Wochen.

Dieses Essen ("Dosenfutter") geht mir langsam auf den Geist, und gestern habe ich gleich 20 Rationen gekauft - waren im Angebot!

 

Wieder beim Hausarzt: Sie sehen blass aus. Ich sage ihm: "Die Probleme wachsen mir über den Kopf, am liebsten würde ich vom Balkon runter!" Ich solle keinen Unsinn machen - er veschreibt nochmals die Einschlafhilfe. Das Zeug hilft wenig. Ungefähr zwei Stunden schlafe ich, dann aufwachen - kein wieder einschlafen möglich - Einschlafhilfe aufgebraucht.

Anruf vom Amt für Grundsicherung: soweit alles klar, in zwei Tagen kommt der Bescheid. Endlich!

20 Minuten später: erneuter Anruf von diesem Amt: "- tut mir leid, die endgültige Berechnung hat ergeben, dass nichts bleibt! Sie müssen erneut beim Sozialamt Antrag stellen."

 

Liege wieder wach - Gedankenkreisen, was soll werden? In Zukunft unter einer Brücke schlafen;

ein Ende herbeiführen! Das Verlangen, nicht mehr zu sein, wird immer größer. Aber was wird aus meiner Frau, die eine schwere Behinderung hat und auf meine Hilfe angewiesen ist?

Ernsthaft denke ich darüber nach, wie ich dieses öde, sinnlose Dasein beenden kann.

Es gibt keine Gegenargumente. Soll ich einen "Zug nehmen", kurz und fast schmerzlos!

Fahren aber keine so spät und außerdem  - .... der Zugführer!

Wieder vergehen einige Tage. Frage beim Sozialamt nach - Erstaunlich: "Herr Soundso ist heute recht nett! " Ihr Antrag ist einer der Nächsten, der bearbeitet wird! Aber erst mache ich Urlaub!"

Zweieinhalb Wochen später rufe ich wieder beim Sozialamt an: Herr Soundso ist leider verhindert - wegen Krankheit.

Mittlerweile hat mir der Hausarzt ein Antidepressivum gegeben.

Das soll auch als Schlafmittel wirken. Mag sein, aber nicht bei mir!

Einzige Wirkung ist, dass sich meine Miktionsprobleme vergrössern, schiebe das aber auf die vergrösserte Prostata, außerdem kann ich liegend nur noch ganz flach atmen.

Anfang Juni bin nur noch ein Fragment von mir selbst und habe den festen Vorsatz:

"es muss zum Ende kommen"!

Wo eigentlich ist meine Hoffnung geblieben?

Wo mein Glaube, wo meine Freude?

Lass dich nicht hängen! Solche und ähnlich "gutgemeinte" Rat-Schläge bekomme ich öfters ...!"

Hängen? Hm m ... wo mache ich den Strick fest? Habe keinen Strick.

Am nächsten Morgen finde ich mich auf dem Fensterbrett vom Schlafzimmerfenster wieder,

die Füße draußen auf dem kurzen Dachvorsprung - "NEIN!, Das ist nicht gut!"

Vielleicht überlebe ich schwerverletzt und muss für viele Jahre als Krüppel im Rollstuhl dahinvegetieren! Was dann noch geschah, oder hätte geschehen können weiß alleine ich und der allmächtige Gott und so soll es bleiben!

 

Danach  

Ein neuer Morgen.

Habe nicht den Mut, auf die Frage des Hausarztes mein Handeln einzugestehen.   

Zu sehr schäme ich mich, aber er ahnt wohl inzwischen was Sache ist und überweist mich endlich zum Neurologen. Dort bekomme ich ein Antidepressivum verschrieben mit dem Kommentar:

"das ist ein gutes alt-erprobtes Medikament!" Kein Wort warum es mir so mies geht!

Wieder daheim lese ich den Waschzettel; das hatte ich doch schon! Der gleiche Wirkstoff, nur mit anderem Produktnamen. Eine Tablette habe ich genommen, wollte mir aber danach zusätzlich zur Schlaflosigkeit die Qual des nach Luft schnappens ersparen!

Mittlerweile haben mir Freunde aus Spanien etwas Geld geschickt, wodurch ich wieder etwas Auftrieb bekomme. Von einer Bekannten erfahre ich am Telefon, dass sie selbst öfter mal in unendliche Tiefen stürzt und ihre Probleme mit Remergil/Mirtazapin in den Griff bekommt.

Sind etwas teuer, aber probieren wir es mal, meint der Neurologe!

Seit der ersten Tablette schlafe ich wieder!

 

Selbstsuizidale Gedanken sind mir fremd geworden und seit ich weiß, dass diese außerordentlich bösartige Krankheit "Depression" mich fast in den Tod getrieben hätte, habe ich meine Scham und die Schuldgefühle adacta legen können.

Ach ja, es wird wieder richtig gekocht!

Zur Zeit geht es mir mit Minimaldosis (7,5mg Mirtazapin zur Nacht) recht gut.

Allerdings bleibt eine Panikstörungen, (frei flottierende Angst) zurück und die mich schon viele Jahre quälende Lärmkrankheit sowie die enormen Schmerzen in den entzüdeten Gelenken haben mich auch noch im Griff!

Dennoch ist in mir ein Gefühl, das ich noch nicht kannte. Die tiefe Dankbarkeit "überlebt" zu haben. Ich nehme eine Behandlung, in einer Tagesklinik in Anspruch und nutze ein Medikament das mir hilft zu schlafen und das depressive Geschehen in seine Grenzen verweist.

Inzwischen weiß ich recht gut über Depressionen Bescheid. Wie erstaunt war ich doch als ich im Internet in eine Suchmaschine das Wort "Suizid" eingab und nachdem ich den Link Depression anklickte konnte ich in mehreren Berichten "meine Leidensgeschichte" nachlesen.

Ohne irgendwem einen Vorwurf machen zu wollen, hier erfuhr ich endlich, dass ich schwer krank war und welche Krankheit mich soweit gebracht hat, mir fast das Leben zu nehmen.

Nun brauche ich mir keine zermürbenden Vorwürfe mehr zu machen.

Das Leben ist wieder schöner und wertvoller geworden!

Meine erste Episode ging zu Ende.

Die Medikamente verhüten wohl Schlimmeres, außerdem habe ich mich mit dieser rezidivierenden Plage soweit arrangiert, dass ich sie als "meine Depression" betrachte.

 

 

Anfang 2009 war ich wieder total fit.

Welch ein Gefühl: " Als wenn man sich ein total zu enges Kleidungsstück vom Körper reißt"! Endlich wieder frei atmen können, Lebensfreude spüren, wieder kämpfen können! Inzwischen hatte ich in einem Internetforum drei Gruppen gegründet und betreute mehrere Menschen die unter depressiven Episoden litten. Da ich seit 1990 Kinder von Bekannten temporär betreute, ausgeschlossen in der depressiven Phase, absolvierte ich 2010 eine Ausbildung, die mich zur Kindertagespflege befähigen sollte. Da mir der gebotene Stoff zu gering erschien besorgte ich mir einige entsprechende Bücher, denn ich wollte auf jeden Fall gute Arbeit abliefern. Als Grundlage für eine Kinderbetreuung gelten die gesetzlichen Vorschriften des Achten Sozialgesetzbuches / Kinder und Jugendhilfegesetz sowie die Regelungen des zuständigen Bundeslandes, in dem man ansässig ist.

 

Altersgerechte Förderung und die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten und Normen gehören zu einer guten Erziehung, wie auch die sportliche Förderung von Motorik und Körperbewusstsein und die Förderung von geistigen Fähigkeiten durch spielerische Aktivitäten.

Ein ganzheitliches Bild des Kindes bekommt der Erzieher/die Erzieherin durch Beobachtung der Kinder und intensiven Kontakt zu den Eltern, um präventiv tätig zu werden, falls Probleme absehbar sind, oder festgestellt werden. Es besteht oft Aufklärungsbedarf über die verwendeten Erziehungsmethoden, die von Eltern oft unterschiedlich bewertet werden. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Hauptbezugsperson des Kindes ist zwingend notwendig. Kindererziehung erfordert Einfühlungsvermögen, Fachwissen und eine gewisse Liebe zu den kleinen Menschen.

Immer in dem Bestreben den Kindern, den Weg zum Erwachsen werden zu bereiten!

 

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Bitte wenden Sie sich künftig an:

Selbsthilfe- und Patientenberatung Rhein-Neckar gGmbH
Alte Eppelheimer Straße 38
69115 Heidelberg

Telefon: +49 (0) 6221 18 42 90
Telefax: +49 (0) 6221 16 13 31
E-mail:mailto:info@selbsthilfe-heidelberg.de

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